Das Handy fühlt sich warm an – aber wie warm ist es eigentlich? Und vor allem: Wo genau wird gemessen, wenn eine App eine Temperatur anzeigt? Diese Fragen sind weniger trivial als sie wirken, und die Antworten überraschen viele.
Was im Smartphone gemessen wird – und was nicht
Zunächst ein wichtiger Punkt, der häufig missverstanden wird: Smartphones haben keine einheitliche Gesamttemperatur. Im Inneren gibt es verschiedene Temperatursensoren, die unterschiedliche Bauteile überwachen – vor allem den Prozessor (genauer: den SoC), den Akku und in manchen Geräten auch das Display oder andere Komponenten.
Was eine Temperatur-App anzeigt, ist in der Regel die Akkutemperatur – denn das ist der Sensor, auf den Android-Apps per API standardmäßig zugreifen können. Die tatsächliche Prozessortemperatur ist deutlich schwieriger auszulesen und für normale Nutzer kaum direkt zugänglich, es sei denn, das jeweilige Gerät stellt diese Information explizit bereit.
Das bedeutet: Eine angezeigte Temperatur von 38 Grad in einer Temperatur-App bezieht sich in den meisten Fällen auf den Akku, nicht auf den heißesten Punkt im Gerät. Der Prozessor kann zur selben Zeit intern deutlich wärmer sein.
Wie man die Akkutemperatur ausliest
Auf Android-Geräten gibt es dafür mehrere Wege.
Der direkteste Weg ohne App: Im Diagnosemenü vieler Android-Geräte lässt sich die Akkutemperatur einsehen. Über den Telefon-Wähler gibt man einen Geräteherstellercode ein – bei Samsung etwa *#0228# für Akku-Informationen. Dieser Code ist nicht bei allen Geräten gleich und nicht überall verfügbar.
Über Apps: Es gibt zahlreiche Akku-Monitor-Apps im Play Store, die die Akkutemperatur in Echtzeit anzeigen. Apps wie „AccuBattery“ oder „CPU-Z“ zeigen neben der Akkutemperatur auch weitere Diagnosedaten an. Wichtig ist dabei: Man sollte nur Apps aus bekannten Quellen installieren und keine Zugriffsrechte gewähren, die die App für ihre Kernfunktion nicht benötigt.
Auf iOS ist der direkte Zugriff auf Temperatursensoren für Drittanbieter-Apps nicht möglich. Apple erlaubt dies aus Datenschutz- und Stabilitätsgründen nicht. Die einzige zuverlässige Möglichkeit, die Akkutemperatur auf einem iPhone einzusehen, ist über professionelle Diagnose-Software, die in Service-Werkstätten eingesetzt wird.
Was die Zahlen bedeuten
Eine Akkutemperatur zwischen 20 und 35 Grad gilt im Normalbetrieb als unauffällig. Beim Laden oder bei intensiver Nutzung sind 38 bis 42 Grad häufig und noch im normalen Bereich. Über 45 Grad wird es kritischer – viele Geräte beginnen dann, intern Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Werte über 50 Grad am Akku sind ein deutliches Signal, dass etwas nicht stimmt – sei es ein stark beanspruchter Prozessor, ein alternder Akku oder eine problematische Ladesituation.
Die Gehäusetemperatur von außen messen
Wer nicht die interne Sensortemperatur, sondern die Außentemperatur des Gehäuses messen möchte, kann ein kontaktloses Infrarotthermometer verwenden. Diese Geräte sind günstig und weit verbreitet – ursprünglich für Fiebermessungen bekannt, aber auch für solche Zwecke gut geeignet.
Der Unterschied zwischen Gehäusetemperatur und interner Akkutemperatur kann mehrere Grad betragen, je nach Gehäusematerial und Hülle. Ein Metallgehäuse leitet Wärme nach außen besser als Glas oder Kunststoff.
Temperatur messen – und dann?
Das Messen allein hilft natürlich nur, wenn man die Werte auch einordnen kann. Ein Gerät, das beim Spielen auf 43 Grad Akkutemperatur kommt und danach wieder auf 30 Grad abkühlt, zeigt normales Verhalten. Ein Gerät, das im Standby dauerhaft über 40 Grad bleibt, deutet auf einen Hintergrundprozess hin, der sich lohnt genauer zu untersuchen – etwa mit einem Blick auf den Akkuverbrauch oder die aktiven Apps.
Wer verstehen möchte, warum das Gerät überhaupt so warm wird, findet in Handy wird heiß – häufige Ursachen einen guten Ausgangspunkt für die weitere Suche.
